Mike & Becky

Mike & Becky – Brüssels bean-to-bar Himmel!

Mike & Becky – dahinter steckt das Gründerpaar Julia und Björn. Aus einem Wortspiel ihrer beiden Nachnamen entstand schließlich die Idee zum Namen ihrer Schokoladenmarke. Als Mike & Becky erobern sie seit 2016 als erste bio-bean-to-bar Manufaktur die Schokoladen-Hauptstadt der Welt - Brüssel. Angetreten sind sie mit dem Ziel, einiges anders zu machen als bisherige Schokoladenhersteller*innen: Nur beste Kakaobohnen in Bioqualität, weniger Zucker, kein Palmöl, keine Geschmacksverstärker oder in Björns Worten: „No nonsense added. Wir wollen die Dinge einfach richtig machen. Von A bis Z.“

Davon konnten wir uns im Sommer 2021 selbst überzeugen, denn wir haben die beiden in ihrem Schoko-Atelier in Brüssel besucht. Dabei haben wir erfahren, dass ihre Reise in die Welt der bean-to-bar Schokolade bei einem Besuch in Prag begonnen hat. Genauer gesagt im Choco Café Prag. Dort gibt es für Schoko-Fans Trinkschokolade à la carte – genau wie in einer Weinbar. So etwas gab es bislang noch nicht in Brüssel…

Doch das hat sich zum Glück inzwischen geändert, denn Julia und Björn wagten als Quereinsteiger*innen den Sprung ins kalte Wasser. Ihr Trinkschokoladen-Café hat sich schnell zur angesagtesten Adresse für bean-to-bar Schokolade in der ganzen Stadt entwickelt. Dort kann man den beiden beim Gießen ihrer Schokoladen zuschauen, sich stundenlang austauschen oder einfach selbst eine (oder gleich mehrere) ihrer fünf Mike & Becky Ursprungsschokoladen als heiße Schokolade oder in Tafelform probieren. Ihr merkt schon, wir kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus – ein absoluter Reisetipp für Schoko-Fans! Behind the beans bei Mike & Becky…

Key Facts: Mike & Becky

Gründerteam: Julia Mikerova & Björn Becker
Ort: Brüssel I Belgien
Seit: 2016

 

  1. Julia hat an der Ecole Chocolat in Vancouver die hohe Kunst der bean-to-bar Herstellung gelernt. Wie genau sieht eure Rollenverteilung bei Mike & Becky aus?

Weder Julia noch ich (Björn) haben einen Hintergrund im Gastronomiebereich. Wir haben Wirtschaft bzw. politische Wissenschaften studiert und daher war die Schokoladenproduktion etwas ganz Neues für uns. Dank der Kurse der Ecole Chocolat in Vancouver und der Unterstützung einiger toller bean-to-bar Schokoladenhersteller*innen in ganz Europa haben wir beide von Grund auf gelernt, wie man richtig Schokolade macht.

Mir wurde dann sehr schnell klar, dass Julia das weitaus bessere Händchen und die feineren Geschmacksnerven hat und so hat es sich recht bald ergeben, dass sie sich hauptsächlich um die Produktion kümmert und ich mich um unsere Kund*innen. Julia macht also das Wichtige und ich quatsche darüber!

 

  1. Belgien ist ein absolutes Schokoladen-Land. Trotzdem wart ihr die ersten bean-to-bar Hersteller*innen im gesamten Königreich. Was macht ihr anders?

Wir sind in Belgien die Ersten gewesen, die bean-to-bar Schokolade ausschließlich bio hergestellt haben. Als Mike & Becky haben wir von Anfang an – und das ist sehr selten – deutlich kommuniziert, wo unser Kakao herkommt. Also nicht Indien oder Kongo, sondern viel konkreter und das haben wir auch auf unsere Verpackung geschrieben. Transparente Lieferketten und faire Bezahlung sind uns sehr wichtig. Außerdem ist unser Café in dem Sinne etwas Besonderes, da wir nicht nur unsere eigenen Mike & Becky Schokoladen dort verkaufen, sondern auch Schokoladen von befreundeten bean-to-bar Hersteller*innen aus der ganzen Welt, die ähnlich arbeiten wie wir. Im Grunde haben wir den Anspruch, dass unser Café das Nirvana für Schokoladenfreund*innen in ganz Brüssel ist.

 

  1. Verratet ihr uns euer Geheimnis für die perfekte Zubereitung eurer Trinkschokoladen? Wir wissen, ihr beide habt da unterschiedliche Ansichten…

Das erste Geheimnis beginnt schon bei der Herstellung der Schokolade. Unsere Schokoflocken raspeln wir so fein, dass sie sich wunderbar in warmer Milch auflösen. Der Vorteil daran ist, dass man die Milch nicht kochen muss. Wir erhitzen sie nur auf 60-70°C, geben die Schokoladenflocken plus ein wenig Milchschaum hinzu und das reicht auch schon, damit die Trinkschokolade so schön sämig wird. Bei der Zubereitung schwört Julia darauf, die Milch vorher warm zu machen und dann die Schokoladenflocken zuzugeben, wohingegen ich es besser finde, erstmal die kompletten Schokoladenflocken zusammen mit einem kleinen Schuss heißen Wassers in einen Pitcher zu geben. Erst wenn es richtig schön geschmolzen ist, gebe ich die Milch dazu. Das sind die kleinen Unterschiede, über die wir uns unheimlich gern streiten.

 

 

  1. Was macht euch persönlich mehr Spaß: Kakao rösten und Schokolade gießen oder der Austausch mit euren Kund*innen in eurem Café?

Julia macht die tägliche Arbeit mit dem Kakao richtigen Spaß: Das Rösten, das Experimentieren mit unterschiedlichen Bohnen und das Gießen der Schokolade. Mir gefällt der Austausch mit unserer Kundschaft total. Die Augen zu sehen, wenn sie die ersten Stückchen von unseren Schokoladen testen, ist absolut klasse. Dazu sind Tastings mit 4-5 unterschiedlichen Schokoladen in einem kleinen Rahmen immer super. Dann zu wissen, dass wir als Mike & Becky gerade das Tor zum Universum von feinem Kakao aufgestoßen haben, ist jede Mühe wert und motiviert uns total.

 

  1. Wie würdet ihr in wenigen Worten die Vision von Mike & Becky beschreiben?

Es geht darum den Menschen zu erklären, dass gute und wirklich faire Schokolade seinen Preis haben muss. Unser Credo ist: Wenn eine 100g Tafel unter 3€ kostet, dann tut man jemandem damit weh – und zwar den Menschen und der Natur in den Anbauregionen. Und das kann nicht sein. Die Zukunft von Schokolade liegt einfach darin, dass wir den Hebel umlegen und Kakao und Schokolade genauso sehen wie zum Beispiel einen guten Wein. Wir wollen die Sicht auf Schokoladengenuss ändern. Das ist die kleine Revolution, die wir mit anschieben wollen und wir sind froh, dass sich gerade unheimlich viel entwickelt und ein ganz neues Bewusstsein entsteht.

 

  1. Man merkt bei euch direkt: Fairness, biologischer Anbau und transparente Lieferketten sind euch besonders wichtig. Genau aus dem Grund habt ihr euch gerade mit weiteren bean-to-bar Hersteller*innen zusammengeschlossen. Was stellt ihr da gerade auf die Beine und was sind die Ziele?

Wir entwickeln gerade gemeinsam mit weiteren bean-to-bar Hersteller*innen ein neues Label, das weiter geht als bisherige Logos und Zertifizierungen. Es geht um wirkliche Transparenz, denn alle Teilnehmer*innen legen ihre gesamte Lieferkette offen. Interessierte Kund*innen oder auch Mitbewerber*innen – können per Scancode auf der Verpackung alles einsehen und checken. Wir geben alle Adressen und Kontakte an. Jede*r ist anklickbar, anrufbar und eben direkt verifizierbar. Das Label soll ein Wiedererkennungsmerkmal für wirklich transparente Schokolade werden und Kund*innen letztendlich bessere Informationen zur Kaufentscheidung geben.

 

  1. Was erkennt ihr gerade für Trends im Bereich bean-to-bar Schokolade?

Seit 1-2 Jahren beobachten wir, dass es viel mehr Schokolade mit wirklich ausgefallenen und experimentellen Geschmackskombinationen gibt. Also nicht nur mit Kaffee, Früchten oder Nüssen, sondern mit Zutaten wie Käse oder Pilze. Da gibt es unglaublich tolle Geschmackserlebnisse und wir arbeiten gerade auch an ein paar Ideen hauptsächlich mit Handwerksbetrieben hier aus Brüssel und Umgebung. Das ist ein Trend, der weltweit zu beobachten ist und speziell Menschen anspricht, die die „klassische“ Ursprungsschokolade schon getestet und für gut befunden haben. Genau die brauchen noch etwas anderes, einen besonderen Kick und hier können wir als Hersteller*innen richtig schön kreativ werden!